Kategorie: Buchtipps

wetid Nährstoffbuch

WETID: Die umfassende Nährstoffdatenbank für Menschen mit Diabetes

Schätzen, wiegen oder Pi mal Daumen? Bist du Rechenkünstler oder Schätzmeister? Kohlenhydrate und FPE genau zu berechnen, ist schon eine Wissenschaft für sich. WETID ist deshalb für Menschen mit Diabetes im Alltag eine tolle Unterstützung. Vielleicht kennt ihr die App schon? Zehntausende nutzen sie bereits. WETID konzentriert sich speziell auf die Suche nach Kohlenhydraten und Fett-Protein-Einheiten (FPE) von Lebensmitteln. Nur die Werte, die für die Insulinberechnung relevant sind, werden angezeigt, in Broteinheiten (BE), Kohlenhydrateinheiten (KE) oder Gramm Kohlenhydrate (grKH). Auf klassiche „Abnehmangaben“ wie Kalorien wird bewusst verzichtet. Heute möchte ich euch nicht nur die App, sondern auch das zugehörige Buch vorstellen.

Über den Autor und seine Idee

WET ID ist für den Autor Heiko Scharfenort eine persönliche Mission. Bei seinem Sohn wurde im Alter von 2 Jahren Diabetes Typ 1 diagnostiziert. Man erkennt sofort, wie viel Akribie und Herzblut er in WETID gesteckt hat. Wie großartig allein die Idee ist, eine App zu entwickeln, mit der man Lebensmittel suchen oder scannen und dann einfach in die Insulinpumpe eingeben kann. 

Über die WETID-App

Die App umfasst viele Hunderttausend Datenbankeinträge, gleichgültig ob es sich um Obst/Gemüse, Fertiggerichte oder sonstige gekaufte Produkte handelt und sie basiert auf der etablierten Lebensmitteldatenbank FDDB.  Du kannst individuell wählen, ob deine Suchergebnisse in BE, KE oder Gramm Kohlenhydrate angezeigt werden sollen. Man erhält einen praktischen, schnellen Überblick über die Suchanfragen der letzten Monate. Du kannst dir auch eine Favoritenliste speichern. Es ist zudem möglich ein Ernährung-Tagebuch zu erstellen, um nachvollziehen zu können, was du wann gegessen hast. 

Der Clou: Du kannst den EAN-Produktcode eines Lebensmittels ganz einfach mit dem Smartphone scannen und dir werden die Kohlenhydrate direkt angezeigt. Wie praktisch! 

Ich muss gestehen, dass ich jetzt erst über das Buch auf die App aufmerksam geworden bin. Hätte ich eher gewusst, wie die „Möhren-App“ mir im Alltag helfen kann, die Kohlenhydratmenge und FPE schnell zu bestimmen, hätte ich mir viel Zeit, Ärger und Rechnerei ersparen können. 

Mit dem Kauf eines Buches erhaltet ihr 6 Monate werbefreien Zugriff auf die WETID App. Hierzu scannt ihr den QR-Code im Buch ab oder besucht die angegebene Webseite. Erstellt euch einen WETID Account und gebt im Feld Bestellnummer die Rechnungsnummer an, die ihr mit eurer Bestellung erhalten habt. Die Rechnungsnummer findet auf der beiliegenden Rechnung.

Das Buch ist bei DIASHOP erhältlich: WETID Nährstoffbuch für Menschen mit Diabetes

Das WETID Buch zur App 

Eine wichtige Ergänzung zur App (falls man diese mal nicht zur Hand hat) ist das WETID-Buch. Auch diese Variante von WETID ist smart umgesetzt, bietet eine umfassende Sammlung der meist gesuchten Lebensmittel und Produkte von Menschen mit Diabetes. Alle Werte sind übersichtlich nach gängigen Portionen aufgelistet, um das Leben mit Diabetes zu erleichtern. Eine zuverlässige Unterstützung für ein präzises Diabetesmanagement und einen einfacheren Alltag. Wie viel Kohlenhydrate und FPE hat meine Lieblingspizza? Blick ins Buch (oder in die App) genügt. 

Ich empfehle es nicht nur den weniger App-affinen Menschen oder solchen, die anfassbare Nachschlagewerke (im praktischen Hosentaschenformat) bevorzugen, sondern auch denjenigen, die bereits die App nutzen.

Im Buch wird erläutert:

  • Wie nutzt und berechnet man FPE im Diabetesmanagement?
  • Was man über Zuckeraustauschstoffe und mehrwertige Alkohole wissen sollte!
  • Wie kann ich Portionsgrößen umwandeln/umrechnen?
  • Was sind die üblichen Portionsgrößen? 

Das Buch ist somit eine wichtige und großartige Ergänzung zur WetID-App!

Hier alle Infos dazu: WETID Nährstoffbuch für Menschen mit Diabetes 

 

 

Buchrezension Der Typ Nummer 1

Kennt ihr schon: Der Typ Nummer 1?

Ich habe einen Roman zu Ende gelesen. Das kommt tatsächlich nicht sonderlich häufig vor. Genau genommen handelt es sich bei dem Buch „Der Typ Nummer“ um einen New-Adult-Roman, in dem es über bittersüße Werte geht, wie die Titelseite verrät. „New Adult“ steht für junge Erwachsene. Dazu zähle ich nicht mehr so ganz, also waren es wohl vermutlich eher die „bittersüßen Werte“, die mich zum Lesen gebracht haben. Literatur über Diabetes Typ 1 ist halt ein Muss für mich! Alleine der Titel des von Autorin Nadine Trinkies im Selbstverlag veröffentlichten Buches hat mich neugierig gemacht: „Der Typ Nummer 1“. Ich möchte nicht zu viel verraten, denn man muss das Buch selbst gelesen haben. Dennoch ein paar zusammenfassende Worte dazu und meine Meinung zum Buch. Allein den Klappentext finde ich schon vielversprechend: 

Der 18-jährige Jonah Spark lebt in Oxnard, im sonnigen US-Bundesstaat Kalifornien. Seit dem Schicksalsschlag, seine Eltern früh verloren zu haben, ist der intelligente Detective-Sohn ein wahrer Meister darin, alles andere als seine eigenen Gefühle und Schwächen aufzudecken. So trifft ihn die Diagnose Diabetes mellitus Typ 1 besonders schwer, und er sieht alles, was ihn letztlich ausmacht, in Frage gestellt. Als er sich mit der hübschen Jolene einlässt und ihm zeitgleich mysteriöse Hinweise zugespielt werden, steht sogar das Vertrauensverhältnis zu seinen beiden besten Freunden Max und Daniel auf der Probe, und er muss dringend erkennen, wer der echte Gegenspieler ist.

Meine Meinung zum Buch: Der Typ Nummer 1

Als Mensch mit Diabetes Typ 1 interessiert mich natürlich, wie andere ihren Diabetes erleben. Ich muss auch zugeben, dass ich gefährliches Halbwissen in Bezug auf Diabetes Typ 1 sofort richtigstellen muss, es mich manchmal sogar müde und sauer macht. Das kennt ihr sicherlich auch? So hatte ich bei diesem Buch zunächst Bedenken, dass Jonah (der Typ Nummer 1), einer dieser Charaktere ist, die sich bei Unterzucker Insulin injizieren. Eben so, wie man es auch aus vielen realitätsfernen Filmen kennt, die sehr bescheiden recherchiert sind. 

Was bin ich froh, dass dieses Buch kein gefährliches Halbwissen vermittelt und dass Jonah absolut authentisch ist. Es ist sogar so, dass ich vieles sehr gut nachempfinden kann. So hatte ich beispielsweise die gleichen Symptome, wie sie auch Jonah vor der Diagnose bei sich feststellen musste. Ich habe vieles durchlebt, was auch er durchlebt und Jonah beschäftigt vieles, was auch mir im Alltag mit Diabetes keine Ruhe lässt. Ich habe erfahren, dass die Autorin selbst Diabetes Typ 1 hat und das Buch durch einen regen fachlichen Austausch mit der betreuenden Diabetespraxis entstanden ist. So und nicht anders hatte ich es auch vermutet. Denn bevor ich das Buch zur Hand genommen hatte, war mir das nicht bewusst (auch wenn es auf der Buchrückseite steht). Aber glaubt mir, dass bemerkt man sehr schnell. 

In dem Buch dreht sich nicht alles um Diabetes, sondern es geht auch um Freundschaft, Liebe und Vertrauen. Dennoch ist der Diabetes immer dabei. So wie es eben bei uns Typ1ern im Alltag auch ist. Die Geschichte drumherum finde ich ebenso äußerst lesenswert, das macht das Buch für mich zu einem gelungenen Gesamtwerk. Ich kann mir gut vorstellen, dass es frisch diagnostizierten (jungen) Menschen mit Diabetes dabei hilft, die eigene Krankheit besser zu verstehen. Auch für Angehörige ist das Buch eine Lektüre wert. Schließlich haben sie hier die einmalige Gelegenheit, einem Menschen mit Typ 1 Diabetes „in den Kopf“ zu gucken. Das lassen wir normalerweise selten zu ;).

rock around the clock mit diabetes typ 1

Buchtipp: Rock around the Clock mit Diabetes Typ 1

Maren Sturny berichtet in ihrem Buch „Rock around the Clock mit Diabetes Typ 1“ (mit Impulsen von Nicola Schmidt) aus ihrem turbulenten Familienalltag. Sie ist Mutter einer Tochter, bei der 2019 (mit 6 Jahren) Diabetes Typ 1 diagnostiziert wurde. Das Buch vermittelt Basiswissen und gibt Alltagseinblicke für zuckerblutige Anfänger auf 281 Seiten. Wir haben es für euch gelesen.

Das Buchcover ist so kreativ gestaltet, dass es direkt meine Neugier geweckt hat. Auch wenn ich kein zuckerblutiger Anfänger mehr bin, sondern mittlerweile schon Silberhochzeit mit meinen Diabetes Typ 1 „gefeiert“ habe, verschlinge ich gerne jegliche Diabetes-Literatur, weil man eben nie auslernt. Insbesondere Geschichten aus dem Alltag anderer Menschen mit Diabetes Typ 1 , die ehrlich, herrlich, perfekt unperfekt und offen erzählen, finde ich spannend. Die Autorin ist mir bereits auf Instagram alias „diabetesblümchen“ begegnet.  Ich war sehr neugierig, was mich da erwartet.

Zum Inhalt des Buches: „Rock around the Clock mit Diabetes Typ 1“

Das Buch beginnt anstelle eines Vorwortes mit der Geschichte „Wie der Diabetes in unser Leben kam“ in Form von Orginalbeiträgen, wie Maren sie auf Instagram aus Sicht ihrer Tochter veröffentlicht hat. Eine gute Idee, es macht einfach Spaß die Geschichte in dieser etwas anderen Art zu lesen. 

Vom abrupten Start, über erste zaghafte Schritte ins neue Leben und die Gedanken und Gefühle bis hin zum Erlernen eines positiven Umgangs mit dem Diabetes wird nichts ausgelassen. Teilweise habe ich mich darin wiedergefunden und meinen Eltern davon erzählt, die sich an vieles noch sehr gut erinnern und es zu 100 Prozent nachempfinden konnten. Thematisiert wird auch die ganze Planerei um den Diabetes herum und eben auch, wie diese im Alltag oft nicht aufgeht. Die Autorin gestattet den Blick hinter die Kulissen, berichtet offen und ehrlich aus dem Familienalltag, über Absprachen in der Schule, mit den Großeltern und über Schattenkinder. Damit gibt sie Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes viele gute Tipps mit auf den Weg. 

Mir gefällt die positive Kommunikation, die die Autorin mit ihrer Tochter pflegt. Sie sprechen bei nächtlichen Unterzuckerungen nicht von schwierigen Nächten, sondern von Gummibärchenpartys. Ihre Tochter darf eben nachts Gummibärchen essen. 

„Rock around the Clock mit Diabetes Typ 1“ ist positiv geschrieben, dennoch bleibt es auf dem Boden der Tatsachen. Ängste, Sorgen, brenzlige Situationen finden darin auch ihren Platz. Wut, Überforderung, Zweifel und Nöte gehören nun mal genauso dazu, wie die schönen Momente und das Leben drumherum, das wie sie schreibt, so viel „mehr als eine Ansammlung von Werten“ ist. Das Kapitel „Was ich schon alles kann“  ist wie ich finde ein ganz wichtiges Thema. Wenn man als Mutter den Satz hört, „ich kann das alleine, du brauchst dich nicht mehr zu kümmern“ heißt es loslassen und das kann sehr herausfordernd sein. Zum Thema „Vertrauen, Zutrauen und Loben“ hat Maren Sturny viel beizutragen und gute Tipps für den Weg in die Selbstständigkeit parat. 

Das Kapitel, „Irrtümer, Vorurteile und dummes Zeug“ gefällt mir besonders gut. Hier wird erstmal aufgeräumt und aufgezeigt, wie wichtig und nötig Aufklärungskampagnen und Präventionskampagnen tatsächlich sind. Letzteren hat die Autorin auch ein eigenes Kapitel gewidmet. 

Mein Fazit?

Es ist ein Mutmach-Buch, das Typ-1-Familien und dem Umfeld verdeutlicht, warum Diabetes Typ 1 eine Herausforderung ist, das aufzeigt, wie sich der Alltag mit Diabetes Typ 1 gestaltet. Es ist offen, ehrlich und emotional geschrieben. In diesem Buch finden die Leser Basiswissen als auch weiterführende Lösungsansätze für typische Alltagssituationen. Es klärt auf, es beruhigt, stimmt nachdenklich, macht Mut, ist lebendig, praxisnah, positiv aber nicht überschwänglich und durchaus auch kritisch. Überzeugt euch selbst.  

 

ProFet Patientenbuch

Buchtipp: ProFet Patientenbuch für den richtigen Umgang mit Fett-Protein-Einheiten

Wir haben wieder einen Buchtipp für euch: Das „ProFet Patientenbuch! Proteine, Fette und Kohlenhydrate beim Bolen beachten“, von Winfried Keuthage. Das ProFet Patientenbuch ist ein Schulungs- und Behandlungsprogramm für den richtigen Umgang mit Fett-Protein-Einheiten (FPE). Es richtet sich an Menschen mit einer Insulinpumpentherapie oder intensivierter Insulintherapie, welche zuvor bereits umfangreiche Kenntnisse zur Diabetes-Therapie erworben und an mindestens einer anderen Diabetes-Schulung teilgenommen haben.

Ziele der ProFet-Schulung 

ProFet steht für „Proteine und Fette beachten“.  Zugleich erinnert das Wort an Prophet (= Verkünder der Zukunft). Das passt, denn Glukoseverläufe besser vorhersagen, ist auch eines der Ziele der ProFet-Schulung. Thematisiert wird in diesem Patientenbuch insbesondere der Einfluss von Proteinen und Fetten auf die postprandialen Glukoseverläufe. Geliefert wird das Buch mit passenden Arbeitsblättern der ProFet-Schulung. 

Die Ziele der ProFet-Schulung sind: 

  • Nährwerte von Mahlzeiten kennenlernen bzw. wiederholen
  • Apps zu Nährwerten nutzen
  • Mahlzeitentest durchführen
  • Basalrate und KE-Faktoren überprüfen
  • Bei Insulinpumpentherapie den dualen bzw. verzögerten Bolus nutzen
  • Kostformen mit variablem Kohlenhydratanteil testen

Meine Erfahrung mit dem ProFet Patientenbuch?! Was konnte ich daraus mitnehmen?

Neugierig habe ich mir Buch und Arbeitsblätter zur Hand genommen: Werde ich Erklärungen und Lösungen finden, wie ich meine postprandialen Glukosewerte noch optimieren kann? Ich finde es schwierig für Proteine und Fette die passende Insulindosis auszutüfteln, bzw. diese auch in Kombi mit Kohlenhydraten richtig zu berechnen, da der Glukoseanstieg zeitverzögert auftritt, zu unterschiedlichen Tageszeiten mal mehr und mal weniger stark ausfällt. Um ehrlich zu sein, habe ich mich bis dato auf meine Intuition und Erfahrungswerte verlassen. Wie ist das bei euch? Es ist schon eine kleine Wissenschaft für sich. 

Basalrate passt?

Ich bin die „FPE-Sache“ mit Hilfe des Buches nun mal motiviert auf den Grund gegangen. Gestartet habe ich erstmal mit einem Basalratentest, wie er im Buch beschrieben ist und als erstes empfohlen wird. Klar, wenn die Basalrate nicht passt, dann ist Blutzuckerchaos vorprogrammiert. Ehrlich gesagt war auch ein Basalratentest mal wieder dringend nötig. So konnte ich meine Basalrate gleich noch ein bisschen optimieren. Da braucht es erst ein Schulungsbuch zur Motivation ;). Jedenfalls konnte ich feststellen, dass ein Teil des Bolus für meine Abendmahlzeit mit in die Basalrate einbezogen war. Das sollte so nicht sein. Kann aber schnell passieren und lange Zeit nicht auffallen, wenn man jeden Tag zu einer bestimmten Tageszeit die gleiche Mahlzeit (gleiche Protein- und Fettzufuhr) isst. 

Mahlzeitentests

Als nächstes waren dann die Mahlzeitentests an der Reihe. Schritt für Schritt habe ich Tag für Tag alles mal ausgetestet, auch zu unterschiedlichen Tageszeiten. Mahlzeiten mit (fast ausschließlich Kohlenhydraten) stellten für mich kein Problem dar. Ebenso konnte ich Mahlzeiten mit (fast ausschließlich Fetten und Proteinen) ohne große „Blutzuckerkatastrohen“ zu unterschiedlichen Tageszeiten richtig mit Insulin abdecken. Bei „Mischkost“ sah die Sache etwas anders aus. Das lief nicht optimal und konnte ich nun anpassen. 

FPE-Formeln

Im Buch werden zwei Rechenwege für die Fett-Protein-Einheit (FPE) aufgezeigt. Da fragt man sich zunächst: Wie genau kann der Einfluss von Fetten und Proteinen auf den Blutzucker wirklich berechnet werden? Ist das nicht individuell? Die dargestellten FPE-Formeln basieren auf zahlreichen Erfahrungswerten. Ich finde diese (vielleicht genau deshalb?) gewinnbringend, sie bieten eine gute Orientierung. Viele wissen nicht, dass Fette tatsächlich einen stärkeren Einfluss auf den Glukoseverlauf haben als Proteine. Diese Diskussionen erlebt man in Facebook-Gruppen zu genüge. Das Patientenbuch ProFet klärt hier auf. 

Weitere spannende Themen und ein Exkurs

Thematisiert werden im Buch auch der verzögerte und duale Bolus der Insulinpumpentherapie und deren Wirkkurven, aber auch, wie man etwa die temporäre Basalratenänderung alternativ zum verzögerten Bolus einsetzen kann. Das mache ich bereits und habe mit gute Erfahrungen gesammelt. Selbstverständlich wird auch das Vorgehen bei ICT nicht ausgelassen. Gut ausgewählte Beispiele zur Mahlzeiten und FPE-Berechnung untermauern das Ganze. Weiterhin werden Nährwertangaben, Lebensmitteldatenbanken, digitale Helfer wie FPE-Rechner und Apps vorgestellt und beschrieben, wie sie uns im Alltag unterstützen können. Der Autor geht auch kurz auf Glukosekurven ein, wie sie richtig interpretiert werden.

Last but not least erwartet die Leser ein Exkurs zu den Themen „Proteine und Fette im Stoffwechsel“, „Studien zu FPE und FPE-Faktor“, „Rechnen mit KI-Verhältnis“ und „Proteine und Fette bei AID-Systemen“ mit anschaulichen Beispielen.

Mein Fazit? Lohnt sich das Patientenbuch?

Ich liebe Bücher, die mich weiterbringen, die mir einen AHA-Effekt verschaffen und mein Know-How erweitern. In Bezug auf die Gesundheit, konkret meine Diabetes-Therapie, ist mir das besonders wichtig! Nach 25 Jahren Diabetes-Karriere denkt man sich manchmal, dass man doch nichts mehr dazulernen kann. Doch „ich weiß, dass ich nichts weiß!“ Das sollten wir uns alle eingestehen können (damit würde man sich auch viele unnötige Streitereien in Facebook-Gruppen sparen können ;)). Ich konnte meine Therapie dank des Buches optimieren und Fehler aufdecken. Das ist all unser Ziel. Auch in Eigenstudien passiert das Tag für Tag. Aber oft sind es Schulungen, Ärzte, das Diabetesteam, Gespräche mit anderen oder eben Bücher wie das ProFet Patientenbuch, die ihren Teil dazu beitragen in Bezug auf das Diabetesmanagement noch besser zu werden. 

Wir wollen ja schließlich alle das gleiche: Optimale Blutzuckerwerte, mit wenig Zeitaufwand, Stress und Sorge erreichen. Manchmal ist die Luft draußen, 24/7 365 Tage im Jahr den Diabetes managen, klar, das wundert wohl niemanden. Das Buch hat mich motiviert, mit rotem Faden und Anleitung an der Hand, meine Therapie mal wieder neu zu überdenken. Für nur 4,90 Euro eine so großartige Hilfe. Dankeschön, so kann ich mir künftig wieder ein paar Nerven sparen ;).  

Hier könnt ihr das Buch bestellen: ProFet Patientenbuch! Proteine, Fette und Kohlenhydrate beim Bolen beachten von Winfried Keuthage

die geschichte der diabetesforschung

Buchtipp: Die Geschichte der Diabetesforschung – Vom Opium zum Insulin

Wir haben wieder einen Buchtipp für euch: Die Geschichte der Diabetesforschung – Vom Opium zum Insulin von Dr. med. Viktor Jörgens. 

Bevor ich mit dem Lesen des Buchs begann, war ich eigentlich der Meinung, die Geschichte der Diabetesforschung einigermaßen gut zu kennen. Das Buch sollte mich jedoch eines Besseren belehren. Der leicht übertriebene Hype um Banting und Best war mir geläufig, aber das Opium statt Insulin verabreicht wurde, war mir neu. Auch drastische Hungerkuren, Wasserkuren, Heilkräuter und Hülsenfrüchte kamen früher bei der Behandlung zum Einsatz, genau wie Morphium, Jodtinktur und Karbolsäure.

Auch wie Roche den Welterfolg knapp verpasst hat und die genauen Hintergründe des Streits um den Nobelpreis für die Entdeckung des Insulins sind in dem Buch erläutert. Bisher dachte ich auch, dass Adolf Kußmaul nur die „Kußmaul-Atmung“ (tiefe Atmung bei diabetischer Ketoazidose) beschrieb, wusste aber nicht, dass er die Magenpumpe entwickelte, sehr viele andere Dinge im medizinischen Bereich vorantrieb und Impfgegner bekämpfte (interessante Paralellen zur Corona-Zeit). Hättet ihr’s gewusst? Super spannend auch zu lesen, wie die Forscher über die Ursachen des Diabetes spekulierten. Man vermutete beispielsweise, dass im Magen durch eine Fehlfunktion der Verdauung bei Menschen mit Diabetes mehr Zucker entstünde, der dann im Magen aufgenommen werde.

Im Buch lest ihr auch, was sich nach dem zweiten Weltkrieg veränderte. Aber auch verrückt, dass man Insulin in Pflanzen suchte… Ihr merkt schon, das Buch muss man lesen. Anfang war ich skeptisch, ob mich ein „Geschichtsbuch“ wirklich so begeistern kann. „Nein, bestimmt nicht!“, dachte ich. Aber es ist eben kein klassisches Geschichtsbuch und tatsächlich hat es mich richtig gefesselt. Ich habe die 304 Seiten von vorne bis hinten verschlungen. Wer (so wie ich) selbst Diabetes hat oder auch Diabetesprofi ist oder werden möchte, der muss dieses Buch lesen!

Ich beschäftige mich sehr viel mit meinem Diabetes (Typ 1), das ist mir wichtig, nicht zuletzt um die für mich beste Therapie zu finden, bzw. weiter zu optimieren (so gut es eben geht). Okay, nachdem ich das Buch nun ausgelesen habe, werde ich es sicher nicht mit Opium statt Insulin versuchen ;), auch käme eine Hungerkur für mich nicht in Frage. Dennoch haben mich viele Gedankengänge der Forscher umdenken und einiges hinterfragen lassen. Lest das Buch, dann wisst ihr, was ich meine.

Es ist spannend zu erfahren, welcher kluge Kopf auf welche Art und Weise seinen Teil dazu beigetragen hat, uns Menschen mit Diabetes das Leben zu retten! Die Gedankengänge zu verstehen, warum welche Medikamente und Lösungsvorschläge entstanden und kläglich gescheitert sind, finde ich faszinierend. Der Autor beschreibt am Ende des Buches zudem den Weg von der Spritze zum Pen, über die Entwicklung der Insulinpumpe sowie den Fortschritt vom Urinzucker zum Blutzucker. 

Der Klapptest weckte übrigens schon meine Neugier: 

Bismarcks Arzt von Frerichs gibt bei Diabetes Opium. Claude Bernard streitet mit Tierversuchsgegnern, und Kußmaul bekämpft Impfverweigerer. Der Student Langerhans entdeckt die Inseln der Bauchspeicheldrüse. Minkowski und der Freiherr von Mering werden zu Großvätern des Insulins. Zülzer und Reuter, vergessene Entdecker. Übertriebener Hype um Banting und Best. Wer hat den Nobelpreis für die Insulinentdeckung verdient? Clowes revolutioniert bei Eli Lilly die Insulinherstellung. Vom Fleischwolf in Hagedorns Küche zur Weltfirma Novo-Nordisk. Tödlicher Aderlass: die besten Diabetesforscher werden von den Nazis vetrieben. Dunkle Zeiten: Parteigenossen beherrschen die deutsche Diabetologie. Stolte, verkannter Pionier moderner Insulinbehandlung. Von Blockbustern und Skandalen: die wechselvolle Geschichte der Diabetesmedikamente. Winnetous Eidechse erfindet was gegen Diabetes. Der lange Weg zu moderner Diabetesforschung.

Aufbau, Inhalt und Gliederung des Buches „Die Geschichte der Diabetesforschung“

In insgesamt 31 Kapiteln werden die wichtigsten Entdeckungen der Diabetologie beschrieben, die Lebenswege wichtiger Forscher und einiger Menschen mit Diabetes. Es ist ein Buch über die Geschichte des Diabetes, das nicht nur die Erfolge sondern auch die Irrwege der Forschung und Behandlung darstellt. Die Kapitel sind mit einigen Abbildungen bestückt, so dass man beispielsweise auch einen Eindruck davon gewinnen kann, wie etwa ein Mill-Hill-Infuser (frühe Insulinpumpe) aussah. 

Das Buch „Die Geschichte der Diabetesforschung“ müsst ihr nicht zwingend von vorne bis hinten lesen, ist aber zu empfehlen, da es größtenteils chronologisch aufgebaut ist und man so die Zusammenhänge besser versteht. 

Über den Autor

Dr. med. Viktor Jörgens begann bei seinem Freund und Lehrer Prof. Michael Berger an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit der Entwicklung von Therapie- und Schulungsprogrammen für Menschen mit Diabetes. Maßgeblich war er an der Einführung der Patientenschulung in Deutschland beteiligt. Später diente er als Direktor drei Jahrzehnte der Europäischen Gesellschaft für Diabetesforschung (EASD) und ihrer Stiftung EFSD. Er ist Ehrenmitglied der EASD und der Polnischen Diabetesgesellschaft.

Fazit und Bestellmöglichkeit

Das Buch „Die Geschichte der Diabetesforschung – Vom Opium zum Insulin von Dr. med. Viktor Jörgens“ kann ich jedem empfehlen, der selbst Diabetes hat oder auch Diabetesprofi ist oder werden möchte, der sich für die Diabetesforschung interessiert. Ich hatte beim Lesen des Buches viele Aha-Momente und war teilweise erstaunt, welche aufwändigen, umständlichen Irr- und Umwege und verrückte Gedankengänge der Diabetesforscher letztendlich doch zu unserem lebensrettenden Insulin geführt haben. Es ist ein Buch, das gut recherchiert ist, überrascht und richtigstellt.

Hier könnt ihr das Buch bestellen: Die Geschichte der Diabetesforschung – Vom Opium zum Insulin von Dr. med. Viktor Jörgens